Über Elbing nach Mohrungen
Am nächsten Morgen verließen wir Danzig in Richtung Warschau. Klingt sehr polnisch. Ich habe das Gefühl mit Danzig verlassen wir ein bisschen die Zivilisation.

Flachland. Danziger Werder. Überschwemmungsgebiet. Mein Gott ist das eine Holperstraße! Mit Kopfweiden und Pappelreihen erinnert es ein bisschen an den Niederrhein. Sonnenblumen am Wegesrand. Die Bauerngärten verbreiten auch hier Fröhlichkeit, Lebendigkeit, Unbeschwertheit und Ursprünglichkeit.
Es fällt auf, dass viele Neubauten (teilweise ganz schön groß und protzig, mit Säulen am Eingang) bewohnt sind, obwohl von außen noch nicht verputzt. Mit liebevoller Gestaltung haben es die Polen ja nicht so. Überall sind kleine "Skelp", so eine Mischung aus Kiosk und Tante Emma Laden.

Wir überqueren die Weichsel. Nach Elbing sind es noch 28 km. Davor liegt Ellerwald, wo der Gutseleve Gottfried Haese, der uneheliche Vater meiner "weißhaarigen" Uroma Holzberg geb. Preuss herkam. Die Bauern pflügen nach der Ernte die Felder. Kleine Teiche mit Schilf an der Straße.



einfach unbeschwert
Wir erreichen die Elbinger Niederung. So nennt man das ehemalige Überschwemmungsgebiet westlich von Elbing.
Auch Ellerwald wurde früher regelmäßig überschwemmt. Erst nach Eindeichung von Weichsel und dessen Nebenarm Nogat (ab ca. 1565), und der Trockenlegung durch die Technik der Holländer (Ansiedelung der Mennoniten) konnte das fruchtbare Schwemmland nutzbar gemacht werden.

Ellerwald in der Elbinger Niederung
In Zeyer (Kepki), dem zuständigen Pfarramt für Ellerwald Trift V, war keine alte Kirche, nur eine moderne Neue. In Ellerwald Trift V wurde der Gottfried Hermann Haese am 2.2.1867 geboren und am 24.2.1867 im Standesamt Zeyer (RegNr: 35) getauft.
Seine Eltern, der "Einsasse"* Ferdinand Haese und Nathalie** geb. Schumacher, scheinen aber nicht aus Ellerwald zu kommen. Sie sind in Zeyer nicht verzeichnet, so teilte mir das ev. Zentralarchiv in Berlin mit.
Die Kirchenbucheintragungen waren bis 1874 (1.Oktober Einführung der Standesämter) noch sehr ausführlich, später hat man wegen der Standesämter viele Informationen weggelassen. Kamen sie vielleicht aus Elbing?

*Ein "Einsasse" war ein "Eingesessener", der eine (kleine?) Landwirtschaft betrieb. In anderen Kirchenbüchern wurde er auch Hofbesitzer genannt. Demnach hatte er eine kleine Landwirtschaft.

**Der Vorname der Mutter "Nathalie" ist übrigens sehr untypisch für die ganze Gegend. Kam sie vielleicht aus Russland, wo der Name häufig vorkommt?
Ein Familienforscher berichtete mir, dass der Name "Natalie" für Elbing-Land sehr außergewöhnlich sei. Unter seinen über 26.000 Personenblättern habe er nur zwei Mal "Natalie", beide kamen aus Russland."

In Zeyer suchten wir nach der Fähre, die auf der Karte eingezeichnet war und von der mir zuvor erzählt wurde. Wo war sie? Als wir schon dachten, dass es sie nicht mehr gibt, entdeckten wir sie hinter Bäumen.

Wir waren die einzigen Fährgäste. Hier setzte scheinbar recht selten jemand über. 3 Zloty hat die Fahrt für uns beide gekostet, also 70 Cent. inkl. Foto. Denn der Fährmann wollte uns unbedingt mit unserer Kamera fotografieren, wahrscheinlich waren wir der abwechslungsreichste Höhepunkt seines Tages.

Marcus war von der "ausgefeilten" Technik der Fähre begeistert:
"Bei Flüssen ohne Schiffsverkehr kann, wie hier, vorliegend eine sehr einfache Art von Fähre benutzt werden. Durch den kompletten Fluss wird eine große Schlaufe in Form eines Drahtseils gespannt die mit einem Motor an Land ständig in Betrieb gehalten wird. Der Fährmann kuppelte die Fähre je nach gewünschter Fahrtrichtung in den "kommenden" oder "gehenden" Teil des Drahtseils. Gebremst wird mit Hilfe eines 3. , sich nicht bewegenden Stahlseils."

Auf der anderen Seite angekommen, bogen wir links den "Hauptweg" (ein kleiner Weg) ab. Bei den ersten Häusern frage ich eine Frau nach Jozefowo (Trift V). Ich hoffte, meine Interpretation ihrer Erklärung von "da vorne links" ist richtig. Die Straße verläuft parallel zum Fluss Nogat. Tja, das war wohl nichts! Es war der Weg nach Fischerskampe. Also wenden und auf dem "Hauptweg" links abbiegen. Von diesem gehen die Triften (I bis IV), ganz kleine Feldwege, rechts und links ab.

Doch die 5. Trift ist auf meiner Karte leider nicht eingezeichnet. Schade, aber irgendwie sehen die Dörfchen ja sowieso alle sehr ähnlich aus. Und Haese wird es wohl kaum noch geben.
"Die 5. Trift ist die nördlichste Trift von Ellerwald. Zur Kirche nach Zeyer, die 1920 nicht an den neu gegründeten Kreis "Großes Werder" fiel und bei Elbing blieb, konnte man von der 5. Trift zu Fuß gehen. Die Kirche lag diesseits der Nogat, das Hauptdorf jenseits." ??? Grenzt die 5. Trift an die erste Trift, also die in Flussnähe und nicht an die 4. Trift, die am weitesten entfernt lag?

Wir fragen einen Mann auf dem Feld. "Jozefowo?" Kennt er scheinbar nicht. "Janowo", die Trift IV, brummel, brummel, "Tak". (Ja.) "Geradeaus?" Nett, freundlich und auskunftsbereit sind sie ja, nur leider haben wir nichts verstanden. In diesem Fall haben wir aber "geradeaus" richtig gedeutet. Wir biegen rechts in die IV. Trift ab. Ein kleiner Feldweg. Alle 200-300 m ein kleiner Hof bzw. Haus.

Bei einem halten wir an um die schönen Sonnenblumen zu fotografieren. Ein Mann kommt schimpfend heraus und meint irgendwas mit "Kameraski". Als er unser Autoschild sah und wahrscheinlich merkt, dass wir deutsche Touristen sind, winkt er ab und geht lachend weg. "Verrückte" wird er sich gedacht haben.

Ein Stück weiter halten wir auf dem Feldweg und machen ein kurzes Picknick. Danach wenden wir auf dem engen Feldweg, umgeben von Graben, in mindestens 972 Zügen.

Gegenverkehr. Wir fahren rückwärts in den nächsten Hof. Der Hofhund kam an. Also richtig gesagt zwei Hofhunde. Die wollen aber eher spielen als wachen. Einer hing fast zum gucken vorne auf der Motorhaube. Und der kleine Schwarze machte auf meiner Seite "Männchen mit hochspringen". Da geht dem Hundfreund doch das Herz auf.



Die Nogat bei Ellerwald




Ellerwald




Das Foto vom Fährmann war inklusive




Abenteuer Technik




Die Fähre über die Nogat bei Ellerwald




War die Trift V direkt am Fluss




Idylle und ...




... Ursprünglichkeit




Ellerwald Trift IV




Über Feedback oder Ergänzungen freue ich mich sehr: kontakt@anja-pfeiffer.de